TUMORE AN DER WIRBELSÄULE
Die häufigsten Tumore an der Wirbelsäule sind Metastasen. Sie werden auch sekundäre Tumore der Wirbelsäule genannt, da sie nicht in der Wirbelsäule entstehen, sondern in der Wirbelsäule ansiedeln. Meistens handelt es sich dabei um Prostata-, Brust- oder Lungenkrebs. Nur 5 % der Tumore sind sogenannte primäre Wirbelsäulentumore. Sie können bösartig (z. B. Riesenzelltumore, Chordome, Chondro-, Ewing-, Fibro- oder Osteosarkome), aber auch gutartig sein (Hämangiome, Osteoid-Osteom, Osteoblastome oder aneurysmatische Zysten).

Die führende Symptomatik ist lokaler Schmerz. Also bei Befall der Halswirbelsäule sind es Nackenschmerzen, die aber häufig auch andere Ursachen haben können. Die Tumorschmerzen kann man durch nächtliches Auftreten und langsame Zunahme von den klassischen Nacken- oder Rückenschmerzen unterscheiden. Auch allgemeine Symptome, wie z. B. Gewichtabnahme, nächtliches Schwitzen, sind zusammen mit den Schmerzen alarmierend. Die größte Gefahr besteht in einem Bruch, welcher ohne wesentliche Krafteinwirkung entstehen kann. Die Schmerzen sind dabei deutlich stärker und es treten auch neurologische Störungen (Gangstörung, Schmerzausstrahlungen oder Schwächen in die Arme und Beine, Blasen- und Mastdarmstörungen) auf. Deshalb ist es bei längerer Zeit bestehenden Rückenschmerzen gut, eine diagnostische Maßnahme durchführen zu lassen. Vieles kann auch ein einfaches Röntgenbild der Wirbelsäule zeigen, die beste diagnostische Maßnahme ist jedoch eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Weitere häufige Tumore, die nicht in den Knochen der Wirbelsäule entstehen, sind sogenannte intradurale Tumore. Im Vergleich zu den Metastasen, die meistens außerhalb der harten Hirnhaut wachsen, treten diese Tumore primär innerhalb der harten Hirnhaut auf und der Befall der Wirbelkörper ist eine Seltenheit. Die zwei häufigsten Arten sind spinale Neurinome (auch Schwannome genannt) und spinale Meningeome. Die ersten gehen von Bindegewebszellen, welche die Fortsätze von Nervenzellen umschließen, aus. Die Meningeome entstehen aus den Zellen der Hirnhaut (Meningea). Beide können grundsätzlich überall im Bereich des zentralen Nervensystems (ZNS = Hirn und Rückenmark) auftreten. Sie sind meistens gutartig und wachsen nur langsam. Sie können jedoch im Laufe der Zeit das Rückenmark oder die Nervenwurzeln komprimieren und deren Funktion beeinträchtigen. Es kommt dann in Abhängigkeit von der Höhenlokalisation innerhalb des Kanales zu unterschiedlichen neurologischen Ausfällen und unbehandelt auch zur Querschnittlähmung. Die beste diagnostische Maßnahme ist auch, wie bei den Metastasen, eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Die Behandlung der Neurinome und Meningeome ist eindeutig die chirurgische Entfernung. Sehr kleine Befunde kann man auch beobachten, da sie aber in der Regel langsam aber ständig wachsen, ist eine Operation früher oder später notwendig. Je kleiner diese Tumore sind, desto einfacher ist die chirurgische Entfernung.

Die Wirbelsäulenmetastasen lassen sich dagegen häufig durch Bestrahlung gut behandeln. Vor allem die Tumorschmerzen werden dadurch deutlich gebessert und die Erkrankung kann mit der Bestrahlung gebremst oder sogar komplett geheilt werden. Falls es zu einem Bruch des durch einen Tumor befallenen Wirbels kommt, oder drücken die Tumormassen auf die Nerven oder auf das Rückenmark, ist auch bei den Metastasen eine chirurgische Behandlung notwendig. Diese reicht – je nach Art der Metastase, Zustand und Alter des Patienten, Anzahl der befallenen Wirbel – von einer Vertebroplastie (Zementeinspritzung in den Wirbel unter Röntgenkontrolle) über eine Eröffnung des Spinalkanals mit Teilentfernung der Tumormassen (Tumorlaminektomie), bis zu einer kompletten Entfernung des Tumors (En-block Resektion) mit gleichzeitiger Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese). Entweder nach der Operation, seltener vor der Operation, ist eine Bestrahlung eventuell mit einer Chemotherapie Bestandteil der onkologischen Behandlung. Aus diesem Grund wird die Therapie in einem interdisziplinären Tumorboard diskutiert und geplant.